Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Freiwillig auf ein Schiff? Ich? Und das Ganze noch auf einer Überfahrt, die als eine der stürmischsten der Welt gilt??
Ja, natürlich, gerade der Teil der Fahrt durch die fjordartigen Marlborough Sounds der Südinsel soll wirklich sehr schön sein. Aber dennoch – eine Fähre? Auf offener See?
Vor immerhin 10 Monaten haben wir die Fahrt gebucht, die Fähre Kaiārahi der Interislander-Reederei sollte es werden. Eigentlich heißt die Fähre übrigens Stena Alegra – sie wurde jedoch von KiwiRail (dem Betreiber der Interislander-Reederei) – wobei sie in ihrem bisherigen „Leben“ auch bereits als Dawn Merchant, Europax Appia, Pau Casals, Ave Luebeck, T-Rex, Norman Trader und dann, wie erwähnt, Stena Alegra und schließlich Kaiarahi bekannt war. Ist vielleicht auch ganz gut, dass ich mir die Wikipedia-Seite zum Schiff nicht vor unserer Fahrt angesehen habe… 😂
Die Mietwagenfirmen sind übrigens ziemlich pfiffig: direkt am Anleger gibt es eine Station von fast allen Firmen in Neuseeland, dort gibt man seinen Mietwagen ab, um dann direkt bei der Ankunft am anderen Ende wieder einen Mietwagen übergeben zu bekommen. Wobei es formal ein Mietvertrag von Auckland bis Christchurch war. Die Abgabe unseres Wagens war unkompliziert und schnell, der Check-In für die Fähre, inklusive der Aufgabe unseres Gepäcks, ebenfalls. Dann hieß es warten, denn das Schiff war noch gar nicht da.
Irgendwann tauchte es dann auch auf, wobei mir dann natürlich – bei meiner „Liebe“ zu Schiffen vielleicht nicht ganz unerwartet – zunächst Rostspuren am Bug auffielen… andererseits war das Wetter an diesem Tag so dermaßen schön, dass die Überfahrt vielleicht selbst für mich erträglich sein würde.
Der Gedanke, jetzt lieber am Flughafen auf einen Flug nach Blenheim zu warten wollte allerdings nicht wirklich freiwillig aus meinem Kopf verschwinden.
Irgendwann durften wir dann aufs Schiff und sind erst einmal direkt bis ganz nach oben gegangen – auf dem Außendeck sollte sicherlich die frische Luft hilfreich sein. Nach und nach füllte sich das weiter unten gelegene Fahrzeugdeck, wobei am Kai eine schier endlose Reihe von Campervans und LKWs zu sehen war.



Irgendwann waren sie allesamt an Bord – und es ging los. Nach dem Ablegen ging es dann erst einmal in gemächlichem Tempo durch die Bucht von Wellington, vorbei an einigen richtig schön gelegenen Vororten und vorbei am Wahine Memorial Park und den Red Rocks.



Bis zu diesem Zeitpunkt – wir hatten, gefühlt, die Bucht von Wellington gerade erst verlassen, waren wir schon eine Stunde unterwegs. Vielleicht sollte es doch einfacher werden, die Fahrt zu überstehen… denn bislang war auch von Seegang nicht wirklich viel zu sehen. Die Luft war angenehm frisch, die Sonne brannte nicht zu erbarmungslos auf uns herab… nur der gelegentlich vorbeiziehende „Duft“ vom (leeren) Tiertransporter ein paar Etagen unter unserem Deck holte einen gelegentlich etwas unsanft in die Realität zurück.





So langsam tauchte am Horizont auch die Silhouette der Südinsel auf – zuerst noch im Dunst, dann immer klarer.





Nach zwei Stunden Fahrt waren wir dann auch bereits am Eingang zu den Marlborough Sounds angekommen. Das bedeutete zwar, dass das Schiff ab sofort ein bisschen „Slalom“ fahren würde, da wir hier schon von teils recht schmalen Fahrwegen sprechen, die Landschaft war jedoch wieder schön anzusehen.


Leider durfte man an ein paar Stellen jedoch auch nicht zu genau hinsehen, denn auch in der für uns gedanklich oft makellosen Natur Neuseelands zeigten sich deutliche Schäden. Große Flächen von bereits abgestorbenen Bäumen – oder solche, denen es ganz klar nicht gut ging – waren zu sehen, daneben jedoch auch wieder völlig intakte Wälder.






Nach weiteren 90 Minuten Fahrt durch die Schluchten der Marlborough Sounds sind wir am Ziel angekommen – Picton.






Und für mich war es insofern eine heilsame Erfahrung – Schiffsfahrten müssen nicht unangenehm sein. Ich würde zwar grundsätzlich auch immer einen Flug bevorzugen – jetzt auch hier, da ich die Fahrt mit dem Schiff ja nun auch bereits erlebt habe… die grundsätzliche Abneigung dagegen mag jedoch vielleicht ein kleines Bisschen geringer geworden sein.






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