Uluru – Kantju Gorge & Kulpi Nyiinkaku

In der Kantju Gorge am Uluru befindet sich ein weiteres Wasserloch – und auch dieses hat für die Aṉangu eine wichtige Bedeutung. An dieser Stelle wird das Wasser für die Feierlichkeiten entnommen.

Die verschiedenen Orte um den Fels herum, die für die Aṉangu wichtig sind, sind Teil dessen, was sie Tjukurpa nennen. Das ist die religiöse Philosophie, die ihr Leben leiten – von dem sie bei Weitem nicht alles mit Außenstehenden teilen.

Auf dem Weg zum Wasserloch kommt man an einem Baumstamm vorbei, der deutliche Brandspuren aufweist – in dem Fall war es ein Blitz, der den Baum ziemlich gründlich zerlegt hat. Allerdings hat es im Nationalpark in den vergangenen Jahren auch einige ziemlich verheerende Wald- bzw. Buschbrände gegeben.

Und damit kommen wir zu dem, was ich im gestrigen Bericht angedeutet hatte – die Tatsache, dass der Nationalpark heute noch unter den Konsequenzen leidet, die durch die damalige Vertreibung der Aṉangu entstanden sind.

*** Ein Ausflug in die Geschichte ***

Im Laufe der Jahrhunderte hatten die Aṉangu gelernt, wie man Feuer unter Kontrolle hält – und zwar durch Feuer. Einige aus dem Volk der Aṉangu waren darauf spezialisiert zu erkennen, wann ein Teil des Buschwerks abgebrannt werden musste, und welcher Teil. Und genau das haben sie auch gemacht – kontrolliert.

Nun dachten jedoch die weißen Siedler, dass sie es besser wüssten – also, besser als die Menschen, die schon seit etlichen hunderten von Jahren hier gelebt haben und das Land damit in einem guten Zustand bewahrt haben.

Wahrscheinlich – oder hoffentlich – wird jetzt niemand überrascht sein wenn ich schreibe: natürlich wussten es die Siedler nicht. Und auch ihre Nachfahren nicht. Denn alleine im 20. Jahrhundert ist der Nationalpark zweimal zu 50 bis 75 Prozent niedergebrannt. Und natürlich braucht die Vegetation hier, mitten in der Wüste Australiens, länger, um sich zu erholen.

Und da kommt dann ein anderes Ereignis zum Tragen.

Am 26. Oktober 1985 wurde das Eigentum der Aṉangu an sie zurückgegeben, die offizielle Übergabe der Urkunde fand an diesem Datum statt. Direkt nach der Rückgabe an die ursprünglichen Bewohner haben diese mit den australischen Nationalparks einen Mietvertrag über 99 Jahre abgeschlossen, damit dieser Ort auch weiterhin von Besuchern aus Australien und aller Welt besucht werden kann.

Das hatte jedoch auch ein paar Konsequenzen, denn nun haben die Aṉangu die Möglichkeit, die Regeln festzulegen. Ihre heiligsten Stätten, die sich auf dem Gebiet der Nationalparks befinden, wurden nun wieder geschützt. Es gibt insofern zum Beispiel auch einige Stellen, an denen nicht fotografiert werden darf. Und, ja, die Tour-Guides achten da ganz genau drauf.

Und ich denke, das ist absolut richtig so.

Eine Sache, die von den Aṉangu seit der Rückgabe auch wieder eingeführt wurde, sind genau die kontrollierten Brände, die ihnen lange verboten wurden.

*** Ende des Ausflugs in die Geschichte ***

Weiter geht es auf dem Weg an zahlreichen Höhlen vorbei, einige davon beherbergen wieder Wandmalereien, teilweise sehr schön erhalten.

Am Ende des Weges finden sich noch zahlreiche Tafeln, welche die Geschichte des Mala Volks erzählt. Das ist übrigens die gleiche Geschichte, die wir vor zwei Tagen auch beim Wintiji Wiru Dinner gesehen haben.

Nachdem wir wieder im Bus saßen haben wir noch einen Stopp am Museum der Aṉangu gemacht; hier darf man jedoch nicht fotografieren – insofern kann ich euch natürlich auch keine Bilder zeigen.

Auf dem Weg zurück zum Resort haben wir dann doch nochmals gehalten – und zwar an einem als Uluru Sunset Point bezeichneten Parkplatz. Wie der Name schon verrät, hat man hier einen guten Blick auf den Uluru, der wohl zum Sonnenuntergang von hier aus besonders schön anzusehen sein soll. Hätten wir auch gerne gesehen – allerdings war die Tour auf Wochen hin ausgebucht.

Was man von diesem Platz jedoch auch gut sehen konnte ist der Wanderweg, der früher Besuchern offen stand, um auf den Uluru hinauf zu klettern.

Dieser Wanderweg ist vor ein paar Jahren geschlossen worden – schließlich, und damit sind wir wieder bei einem der zentralen Themen, ist der Uluru für die Aṉangu heilig. Touristen, die darauf herumgetrampelt sind, waren für sie immer ein sehr schmerzhafter Anblick, den es jetzt so nicht mehr gibt.




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