Ich vermute, dass ich dieses Highlight unserer Reise gar nicht groß beschreiben müsste – vermutlich hat jeder 2-3 „klassische“ Fotomotive im Sinn, wenn die Worte „Machu Picchu“ erwähnt werden.
In der Sprache der Inkas – Quechua – heißt „Machu Picchu“ übrigens „Alter Gipfel“.
Ging mir auch so. Und – ich hätte es besser wissen sollen, denn es ist mir nicht zum ersten Mal passiert: ich war dennoch überrascht, überwältigt, beeindruckt und einfach nur begeistert, mir diesen Ort mit meinen eigenen Augen ansehen zu können.
Zunächst fing der Tag für uns mal wieder früh an, wobei das für die Tour in dieser Woche inzwischen auch nicht mehr als außergewöhnlich zu bezeichnen ist. Unsere Eintrittstickets für Machu Picchu waren für 7 Uhr morgens, folglich standen wir kurz nach 6 Uhr in der Schlange für den Bus zum Eingang.
Die Busse sind jeweils mit knapp über 30 Sitzen ausgestattet und fahren ab, sobald sie voll sind. Erfreulicherweise standen wir gut, waren unter den ersten 3 oder 4 Personen die eingestiegen sind und konnten uns damit Plätze weit vorne im Bus sichern. In Bussen mitfahren ist ja weder Sabrinas noch meine Sache, und wenn es dann auch noch in Serpentinen bergauf geht, dann wird es definitiv nicht einfacher. Um also den Magen zu schonen brauchen wir beide eher den Blick nach vorne – und den hatten wir.
Nach wenigen Minuten war auch unser Bus voll und die Fahrt ging los. Schnell fährt in Peru ja eh keiner, und auf dieser Strecke wäre das nicht einmal möglich, selbst wenn man es probieren wollte. Die Busfahrer sind jedoch gut aufeinander abgestimmt, jeder hat an breiteren Stellen gewartet, damit entgegenkommende Fahrzeuge problemlos passieren konnten.
Und dann waren wir, nach ca. 20 Minuten Fahrt und gefühlten 500 Kurven (nein, so viele waren es nicht wirklich 😉) am Eingang.
Es gibt 3 mögliche Routen durch Machu Picchu, die kurze (Circuito 1), die zu einem sehr schönen Aussichtspunkt führt… mehr aber auch nicht. Dann gibt es noch Circuito 3, welcher durch den unteren Teil der Stadt führt. Wir hatten Circuito 2, welche zunächst zu dem Punkt mit der bestmöglichen Aussicht führt, danach dann durch den Kern des Ortes. Die Tour dürfte so ziemlich die Beste der 3 Routen sein.
Es fing an mit… Treppensteigen.

Wie das so mit Aussichtspunkten ist, sie liegen meist erhöht. Das war auch hier keine Ausnahme, also mussten wir erst einmal einige Minuten lang über zahlreiche Treppen aufwärts klettern. Immerhin liegt Machu Picchu ja auch „nur“ auf etwa 2.400m über dem Meeresspiegel. Gegenüber Cusco also circa 1.000m niedriger, und selbst gegenüber Urubamba 500m weiter unten. Auch wenn es vielleicht nicht so viel klingt – man merkt es deutlich.
Entlang der Treppe nach oben gibt es schon zahlreiche Terrassen, von denen sich einem ein herrlicher Blick auf die Inka-Stadt bietet.




Der Blick von der obersten Terrasse, auf die man auf diesem Rundgang gelangt, ist und bleibt dennoch atemberaubend.









Die zudem noch aufziehenden Wolken haben die Lichtstimmung – und auch insgesamt den optischen Eindruck – dann auch nochmals so beeinflusst, ich denke, besser ging es nicht.





Klingt vielleicht etwas merkwürdig, denn tatsächlich haben uns die Wolken zeitweilig ja den Blick genommen. Dennoch: es hat den mystischen Eindruck dieser Stadt unterstützt, strahlend blauer Himmel die ganze Zeit hätte es für uns wirklich nicht sein müssen. Zumal die Wolken hier in den Anden so schnell unterwegs sind – binnen weniger Minuten, oder auch weniger Momente, konnte die Stadt einmal komplett verhüllt und dann auch wieder komplett sichtbar sein.
Von der Aussichtsterrasse ging es langsam abwärts in den eigentlichen Ort hinein, bis hin zum Sonnentempel.




Weitere bekannte Stellen, wie zum Beispiel die Sonnenuhr, darf man heute leider nicht mehr besuchen.
Nicht geholfen hat dabei wohl die Tatsache, dass vor einigen Jahren eine peruanische Brauerei hier einen Werbespot für ihr Bier aufzeichnen wollte, wobei die ein unaufmerksamer Kameramann mit der Kamera Teile des antiken Sonnenuhr beschädigt hat.



Am Rande angemerkt: in den 70ern und 80ern hat die Peruanische Regierung einen Monolithen im Zentrum des Ortes zweimal entfernen lassen. Einmal für den Besuch des spanischen Königs, einmal für ein Treffen lateinamerikanischer Präsidenten. Das Ergebnis? Der Monolith ist so stark beschädigt, dass man ihn seit langer Zeit versucht, aufwändig zu restaurieren. Ob die Öffentlichkeit ihn je wieder sehen wird ist dabei noch lange nicht sicher.
Im Folgenden ging es noch vorbei am Kondor-Tempel, danach dann über die Terrassen zurück zum Ausgang, den wir etwas über 3 Stunden nach Anfang unserer Tour wieder erreichten.



Es kann übrigens sein, dass Machu Picchu in wenigen Jahren der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sein wird. Der Ort rutscht jährlich um bis zu 2cm ab – da braucht man jetzt weder Archäologe zu sein, noch Mathematiker, um zu erkennen, dass das kein Dauerzustand sein darf. Es gibt mehrere Optionen, wie dies geschehen kann, eine Idee ist dabei, dass oberhalb der Aussichtsterrasse eine Art Besucherzentrum gebaut wird, von dem aus man einen guten Blick über die Stadt haben soll.
Einerseits wäre es bedauerlich, hier nicht mehr hindurchgehen zu dürfen – andererseits: wenn die weitere Öffnung dazu führt, dass dieser unermessliche Schatz irgendwann völlig zerstört sein wird, dann sollte die Öffentlichkeit lieber doch draußen gehalten werden.
Und das schreibe ich jetzt nicht nur, weil ich inzwischen zu denen gehöre, die das Glück hatten, Machu Picchu mit eigenen Augen gesehen, mit eigenen Füßen erlaufen und mit den eigenen Fingern berührt haben.
P.S.: Unserem lokalen Tour-Guide aus Cusco – Paulo – war es sehr wichtig darauf hinzuweisen, dass Machu Picchu keine „Inka-Ruine“ oder „Ruinen-Stadt“ ist. Tatsächlich gelten ca. 75% der Stadt als quasi „im Originalzustand befindlich“. Nur circa 25% wurden restauriert. Und, ja, die Reetdächer und Bambus-Böden der oberen Etagen der Häuser sind natürlich jetzt auch nicht mehr in dem Zustand vorhanden, wie sie vor 600 Jahren vorhanden waren.


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